Religionslehre/Ethik

Religionslehre

Neben der Gestaltung der Weihnachts- (konfessionsgebunden) und Schuljahresabschlussgottesdienste (konfessionsunabhängig) erfreuen sich bei den Schülerinnen und Schülern vor allem verschiedene Exkursionen und Vorträge (konfessionsunabhängig und auch für Ethikschüler verpflichtend) großer Beliebtheit.

So fahren die 6. Klassen regelmäßig im Hinblick auf das Lehrplanthema "In der Wurzel verbunden – Christen und Juden" in die Synagoge nach Regenburg. In der 7. Jahrgangsstufe wird passend zum Thema Islam oftmals der muslimische Gebetsraum in Dingolfing besucht. Für die 9. Klassen geht es alljährlich nach Passau ins Haus der Jugend, wo sie in Zusammenarbeit mit der Jugendstelle Dingolfing drei "Tage der Orientierung (TdO)" verbringen und sich intensiv mit Themen wie Klassengemeinschaft, Gewalt, Drogen und Sexualität beschäftigen. Außerdem findet in dieser Jahrgangsstufe ein Vortrag zum Thema Hospiz und Palliativmedizin als ein Teilbereich des Lehrplanthemas "Tot – und was dann?" statt. Für die 10. Klassen geht es schließlich als interdisziplinäre Exkursion (Fächer Geschichte und Religionslehre) in die KZ-Gedenkstätte nach Dachau, wo den Jugendlichen die Schrecken des Nationalsozialismus hautnah vor Augen geführt werden.

 

Erster Wandertag führt 10. Klassen zur KZ-Gedenkstätte Dachau

In der zweiten Schulwoche ging es für die 10. Klassen zusammen mit ihren Klassenleitern anlässlich des ersten Wandertages im Rahmen des Geschichts- und Religionsunterrichts zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau.

Am 20. März 1933 gab Heinrich Himmler die Errichtung des ersten Konzentrationslagers in Bayern auf dem Gelände der ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik in Dachau bekannt. Die ersten Häftlinge waren politische Gefangene, vor allem Anhänger der kommunistischen und der sozialdemokratischen Partei. Das Konzentrationslager Dachau galt in der SS als „Musterlager“ und wurde zum Modell für alle anderen Konzentrationslager. 1938 kamen die ersten ausländischen Häftlinge ins Konzentrationslager Dachau, wo inzwischen auch andere deutsche Häftlingsgruppen inhaftiert worden waren: Sinti und Roma, als arbeitsscheu diffamierte Fürsorgeempfänger, Bettler, Obdachlose, Homosexuelle und Ernste Bibelforscher (heute: Zeugen Jehovas).

Im November 1938 wurden 10.911 Juden in das Lager eingewiesen. Ihnen folgten im März 1939 Häftlinge aus der Tschechoslowakei, im Laufe des Zweiten Weltkrieges kamen Gefangene aus Polen, der Sowjetunion, den Niederlanden, Frankreich und aus weiteren Ländern Europas dazu. Viele überlebten nicht. Sie wurden Opfer des Terrors der SS, verhungerten, erfroren, verunglückten bei der Zwangsarbeit oder erlagen Krankheiten und Seuchen. Von den über 206.000 registrierten Häftlingen aus mehr als 30 Nationen, die in den zwölf Jahren von 1933 bis 1945 durch das KZ Dachau gingen, starben mehr als 40.000.

Bei einer Führung über das Lagergelände erfuhren die Schülerinnen und Schüler, unter welch grausamen Bedingungen die Häftlinge leben mussten und wie schlimm die Inhaftierung in Dachau war, denn die Gefangenen wurden weder bei großer Hitze noch bei eisigen Temperaturen verschont. Stundenlanges Stehen auf dem Appellplatz sowie körperliche Züchtigungen und Schikanen waren keine Seltenheit. Eine nachgebaute Baracke verdeutlicht, auf welch engem Raum die Gegner des NS-Regimes untergebracht waren. Beim Gang über das Gelände wurden auch die Gaskammer und die Verbrennungsanlagen besichtigt. Nach der Führung hatten die Klassen Gelegenheit die Ausstellung über den Nationalsozialismus zu besichtigen und einen Dokumentarfilm über die Befreiung des Konzentrationslagers 1945 anzuschauen.

 

6. Klassen auf Erkundungstour in der Regensburger Synagoge

Warum essen Juden kein Schweinefleisch? Wie hört sich ein Gebet in hebräischer Sprache an? Und seit wann gibt es überhaupt Juden in Bayern? Mit diesen und anderen Fragen im Gepäck besuchten die vier 6. Klassen im Zuge des allgemeinen Bildungsauftrags „Interkulturelles und -religiöses Lernen“ die Synagoge in Regensburg, wo eine von nur 13 jüdischen Gemeinden in Bayern angesiedelt ist.

1968/69 wurde auf dem Boden der zerstörten großen Synagoge Am Brixenerhof unweit des Regensburger Doms ein Mehrzwecksaal errichtet, der Ort für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen ist, aber auch dem Gebet dient. Im benachbarten Gebäude richtete sich die Gemeinde eine kleine Synagoge ein. Die durch den Alterungsprozess stark geschrumpfte Gemeinde wurde durch die große Zuwanderung aus den ehemaligen GUS-Staaten erstarkt und konnte so auf eine Mitgliederzahl von mehr als 1000 Personen anwachsen. In wenigen Wochen beginnen nun die Abriss- und Umbauarbeiten für den Bau einer neuen Synagoge, die bis 2019 fertiggestellt sein soll.

Rabbiner Josef Chaim Bloch, gebürtiger Schweizer und nach einiger Zeit in Israel mittlerweile seit sieben Jahren in Regensburg, begrüßte persönlich die Realschüler im Versammlungsraum, in dem er über die jüdische Geschichte der Gemeinde und seinen eigenen Werdegang informierte. Geduldig und ausführlich beantwortete er die vielen Fragen der Kinder, die vom Ablauf und der Bedeutung jüdischer Feste bis hin zur Beschneidung männlicher Juden und den jüdischen Speisegesetzen reichten.

Nachdem alle Fragen beantwortet worden waren, ging es ins Nachbargebäude, um die provisorische Synagoge zu erkunden. Dort erklärte der Rabbiner die verschiedenen Gebets- und Einrichtungsgegenstände, bevor er die Schülerinnen und Schüler abschließend dazu aufforderte, sich angesichts der vielen Probleme, Gewalt und Kriege auf der Welt stets für den Frieden einzusetzen. Nach rund zwei Stunden machte sich die Dingolfinger Gruppe – nach einem kurzen Abstecher zum Regensburger Dom – wieder auf den Heimweg und alle waren sichtlich beeindruckt von den Gemeinsamkeiten, aber doch auch der Vielzahl von Unterschieden zwischen Christentum und Judentum.

 

Tage der Orientierung der 9. Klassen waren ein voller Erfolg 

Ende April war es wieder so weit: Die sieben 9. Klassen der Herzog-Tassilo-Realschule Dingolfing machten sich in drei Etappen auf den Weg nach Passau ins „Haus der Jugend“ und verbrachten dort unter der Leitung der katholischen Jugendstelle Dingolfing je drei konfessionsunabhängige Tage der Orientierung.
Vollbepackt hieß es für die Klassen 9 c und 9 f und ihre Begleitlehrkräfte Hans Berger, Carina Fischer und Carolin Stinglhammer, für die Klassen 9 bK und 9 d zusammen mit Christoph Gsell, Josef Haslinger und Alexandra Huber sowie für die Klassen 9 aK, 9 e und 9 g mit Corinna Biser, Julia Daffner, Sonja Hadaller und Thomas Haubner stets noch den Vormittag in der Schule zu überstehen, ehe man sich mit dem Bus auf die Reise begab.
Nachdem man die Hürde des Bettenbeziehens gemeistert hatte, begann das eigentliche Programm. In insgesamt sechs Sitzungen wurde einerseits durch Kooperations- und erlebnispädagogische Spiele versucht, die Klassengemeinschaft zu fördern und zu stärken. Zum Anderen ging es um die von den Schülerinnen und Schülern bereits im Vorfeld ausgesuchten Themen wie Liebe, Partnerschaft und Sexualität, Drogen und Klassengemeinschaft, die anschaulich und in konstruktiven Diskussionen sowie Gruppenarbeiten behandelt wurden.
Doch auch die Freizeitgestaltung ließ keine Wünsche offen: Ob Kicker, Billard, die hauseigene Turnhalle oder der Diskoraum – die Jugendlichen hatten sichtlich Spaß an den verschiedenen Aktivitäten und konnten sich auch außerhalb der Gruppensitzungen „austoben“. Am zweiten Tag durften sie nachmittags zudem in Gruppen die Drei-Flüsse-Stadt Passau auf eigene Faust erkunden.

Vortrag für die 9. Klassen zum Thema Hospiz

„Hospiz ist weniger ein Ort oder ein Platz, sondern eine bestimmte Art, seine Lebenszeit zu erleben.“ Dieses Zitat stammt von der englischen Ärztin Cicely Saunders (1918-2005), die als Begründerin der modernen Hospizbewegung und Palliativmedizin gilt.

Was unter diesen beiden Griffen genau zu verstehen ist, erfuhren die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe in einem Vortrag von Dipl.-Theol. Dr. Michael Stütz. Der ehemalige Religionslehrer der Realschule Landau ist Vorsitzender der landkreisweit bekannten Hospizgruppe Dingolfing/Landau e.V. und referierte über das Thema Hospiz allgemein, die Tätigkeiten eines Hospizhelfers, die Bedeutung der Palliativmedizin sowie das Wirken der ansässigen Hospizgruppe.

Im Rahmen des Lehrplanthemas „Tot – und was dann?“ beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler im Verlauf des Schuljahres intensiv mit dem Lebensende eines jeden Menschen. In seinem Vortrag brachte Dr. Stütz den Klassen das Thema Hospiz näher. Der Name steht für eine weltweite Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit schweren und unheilbaren Erkrankungen ein lebenswertes Dasein zu ermöglichen sowie Hilfe für deren Angehörige anzubieten.

In Deutschland gibt es rund 1.500 Hospizvereine, davon 130 in Bayern. Die Dingolfing/Landau-Gruppe kommt auf 235 Mitglieder, darunter 60 Hospizhelfer. Da aus unterschiedlichen Gründen nicht immer alle Hospizhelfer gleichzeitig zur Verfügung stehen, rechnet Dr. Stütz aktuell mit ca. 35 aktiven Helfern, die sich um etwa 60 Sterbebegleitungen pro Jahr kümmern. Die Aufgaben seines Vereins seien, so Dr. Stütz, die Begleitung von Schwerstkranken, Sterbenden und deren Familien, Beratung und Gespräche, Hilfe beim Kontakt zu Ärzten, Informationen rund um das Thema Patientenverfügung und die Trauerarbeit für die Hinterbliebenen.

Er betonte dabei die drei obersten Prinzipien, an die sich ein Hospizhelfer halten muss: absolute Schweigepflicht, weltanschauliche Neutralität und die Ausübung der Tätigkeit als Ehrenamt. Wichtig bei jeder Sterbebegleitung sei laut Dr. Stütz, dass man sich auf den Kranken gut einstellt, emotional schwierige Situationen aushalten kann, viel Blickkontakt hält, ein gutes Einfühlungsvermögen besitzt, ausreichend Zeit mitbringt, gut zuhören kann und zudem nicht nur Gespräche führen, sondern oft auch einfach mal zusammen schweigen oder auf Wunsch beten kann.

Ziel dabei sei die Symbiose von Hospizarbeit und Palliativmedizin, so dass letztlich „nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben“ gegeben wird. Das Team der Hospizgruppe Dingolfing/Landau versucht dies bestmöglich umzusetzen gemäß dem Motto der Hospiz-Begründerin Dr. Cicely Saunders: „Jeder Mensch ist bis zum letzten Augenblick seine Lebens wichtig. Und wir werden alles tun, damit er nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben kann.“  

7. Klassen erkunden Dingolfinger Moschee

Eine Moschee in Dingolfing? Die meisten Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe wussten bislang gar nicht, dass es in Dingolfing tatsächlich ein muslimisches Gotteshaus gibt. Daher bot es sich zum Ende des Schuljahres hin an, im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts jenes zu besuchen. Kurz vor den Sommerferien machten sich die Jugendlichen daher in zwei Gruppen auf nach Salitersheim und bekamen dort vom Imam und einem Vorstandsmitglied des islamischen Kulturzentrums eine Führung. Schnell war klar, dass das Gebäude nicht ein reiner Gebetsort ist, sondern vielmehr eine Begegnungsstätte für Jung und Alt. Der Verein umfasst derzeit 150 Mitglieder, die bis aus Landau, Straubing, Deggendorf und Landshut nach Dingolfing kommen.

Zu Beginn der Führung zeigte der Imam, der jeweils für fünf Jahre aus der Türkei an die Dingolfinger Moschee abgeordnet wird, wie die rituelle Waschung abläuft, die vor dem Betreten des Gotteshauses, dem Berühren des Korans sowie jeder der fünf täglichen Gebetszeiten zu absolvieren ist. Anschließend ging es weiter in einen der Gemeinschaftsräume, in dem immer samstags und sonntags der zweistündige Koranunterricht für muslimische Kinder und Jugendliche stattfindet. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz, wie Billard- und Kickertische zeigten. Anschließend ging es weiter in die eigentliche Moschee, die die einzige neu gebaute in ganz Niederbayern ist. Alle anderen muslimischen Gemeinden hätten Gebäude gekauft und diese dann zu einer Moschee umgebaut, so die Dolmetscherin des Imams, der in seiner Ausbildung den über 600-seitigen Koran auswendig gelernt hat.

Schließlich wurden sämtliche Gebetsgegenstände und Bestandteile einer Moschee erklärt, der Imam betete eine arabische Textstelle aus dem Koran vor und zeigte den in muslimischen Ländern gängigen Muezzin-Ruf als Aufruf zum Gebet. Daneben erfuhren die Jugendlichen Wissenswertes über „die fünf Säulen des Islam“ sowie den Glaubensalltag, der im Moment vom Fastenmonat Ramadan geprägt ist. Doch auch ernste Themen wie Zwangsheirat, Ehrenmorde oder Selbstmordattentäter, die allesamt mit dem Islam in Verbindung gebracht werden, aber mit dem Glauben an sich nichts zu tun haben, wurden angesprochen. Nach einer ausführlichen Fragerunde, in der die Schülerinnen und Schüler keinerlei Berührungsängste mit der für die meisten von ihnen fremden Religion zeigten, ging es mit vielen neuen Eindrücken zurück zur Schule.