Schulchronik

Schule und Schulname

Die Herzog – Tassilo – Realschule ist eine der ältesten staatlichen bayerischen Realschulen (früher: Mittelschule) und wurde bereits im Jahre 1950 gegründet. In den Jahren zwischen 1994 und 1996 wurde die Schule mit einem Kostenaufwand von annähernd 17 Millionen DM erweitert und generalsaniert. Mit dem Abschluss des Neu- und Umbaus im Juli 1996 gehört unsere Schule zu den modernsten ihrer Art in Bayern. Der Neubau einer Dreifachturnhalle wird 2003 abgeschlossen.
Die Herzog – Tassilo – Realschule leitet ihren Namen ab von Herzog Tassilo III. aus dem Geschlecht der Agilolfinger, dessen Name auch mit der Geschichte der Stadt Dingolfing (Synode von Dingolfing um 770) verbunden ist.

 

Tassilo – Namenspatron der Staatlichen Realschule Dingolfing

Beim Tod seines Vaters Odilo am 18. Januar 748 stand Herzog Tassilo III., erst sieben Jahre alt, unter der Vormundschaft seiner Mutter Hiltrud, der Schwester des Frankenkönigs Pippin und Tante Karls des Großen. Nach ihrem Ableben kam er 753 unter die Obhut seines
Onkels. Dieser entließ ihn 757 aus der Vormundschaft, nachdem er den Treueid des jungen Herzogs empfangen hatte. Schon wenige Jahre später fühlte sich Tassilo stark genug, mit der frankenfreundlichen Politik zu brechen und König Pippin herauszufordern. Auf einem Feldzug gegen Aquitanien verließ er 765 – angeblich wegen Krankheit – das fränkische Heer, ohne die Erlaubnis des Königs abzuwarten. Da Pippin durch eine Hungersnot und politische Ereignisse an einer Bestrafung des Baiernherzogs gehindert war, sah Tassilo seine kühne Aktion von Erfolg gekrönt. In den folgenden Jahren arbeitete er zielstrebig an der Absicherung seiner Position. Dazu zählte die Ehe mit Liutpirc, der Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, in dem er einen natürlichen Verbündeten gegen die Franken fand. Nachdem eine andere Langobardenprinzessin mit Karl dem Großen verheiratet wurde, war dieser nicht nur der Vetter, sondern kurzzeitig auch der Schwager Tassilos. Während Karl durch die Auseinandersetzung mit seinem Bruder Karlmann und dessen Familie gebunden war, erreichte Tassilo in den folgenden Jahren einen Höhepunkt seiner Macht und die faktische Unabhängigkeit vom Frankenreich.
Auf den Synoden von Dingolfing (ca. 770) und Neuching (771) zeigte er sich als Herr der bairischen Landeskirche, unter dessen Vorsitz ergänzende Bestimmungen zum Stammesrecht erlassen wurden. Sein Sohn Theodo wurde 772 als erster Prinz, der nicht dem Karolinger-
haus entstammte, von Papst Hadrian I. getauft und gesalbt. In dasselbe Jahr fiel Tassilos Sieg über die Karantanen, nach dem er sich als
ein zweiter Konstantin feiern ließ. Die Weihe des Salzburger Virgildomes, der als Krönungskirche Tassilos gedeutet wurde, und die Grün-
dung des Klosters Kremsmünster, die der Herzog in voller Eintracht mit dem bairischen Adel vollzog, sind weitere markante Stationen
dieser Entwicklung.
Allerdings fällt in diese Zeitspanne auch die Eroberung des Langobardenreiches durch Karl den Großen 773/774, der Tassilo tatenlos zusah.
Ob der Baiernherzog die drohende Gefahr nicht erkannte oder sich selbst allzu sicher fühlte, ist schwer zu entscheiden. Er anerkannte jeden-
falls die militärische Oberhoheit des Frankenkönigs, zu dessen Feldzug nach Aquitanien er 778 ein bairisches Kontingent entsandte, und kam 781 auf Verlangen Karls nach Worms, wo er den Treueid von 757 erneuerte. Aber auch damit konnte er seinen Sturz nicht mehr aufhalten.

 

Tassilokelch 

 

 Schrift im Fuß des Tassilokelches

TASSILO <> DVX FORTIS + LIUTPIRC <> VIRGA REGALIS

(„Tassilo, tapferer Herzog und Liutpirc von königlicher Abkunft“)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Karl der Große 787 zu einem Kriegszug gegen Herzog Arichis von Benevent rüstete, erkannte Tassilo, dass der nächste Schlag gegen
ihn gerichtet sein musste; deshalb entsandte er Bischof Arn von Salzburg und den Abt Hunrich von Mondsee zu Papst Hadrian I., auf dessen Vermittlung er seine letzten Hoffnung setzte. Nach der offiziellen Darstellung konnte der Friede mit Karl, der zu Ostern von seinem sieg-
reichen Feldzug zurückkehrte, nicht abgeschlossen werden. da die bairischen Gesandten keine ausreichende Vollmacht besaßen. Der wahre Grund für die klare Absage an Tassilo dürfte jedoch die Haltung des Papstes gewesen sein, der sich ganz auf die Seite Karls stellte und den Baiernherzog unter Androhung des Bannes an die Einhaltung seines Treueeids gemahnte.
Von Worms aus lud Karl noch im selben Jahr Tassilo zu sich, doch der Baiernherzog wählte den Kampf. Als der Frankenkönig mit drei Heeresgruppen gegen Baiern vorrückte, sah sich Tassilo von Teilen seines Adels verlassen und mußte sich kampflos unterwerfen. Mit der symbolischen Überreichung eines Zepters übergab er Land und Herrschaft dem König und erhielt beides als Lehen zurück. Wie schon 781 stellte er zwölf Geiseln, dazu aber als dreizehnte seinen Sohn und Mitregenten Theodo.
Als der Baiernherzog im Sommer 788 gemäß seiner Verpflichtung als Lehensträger auf dem Reichstag von Ingelheim erschien, wurde er angeklagt, ein Bündnis mit den Awaren geschlossen zu haben und gegen die königlichen Vasallen in Baiern vorzugehen. Tassilo wurde –
gemäß der offiziellen Darstellung – dieser Verbrechen überführt und hatte dafür den Tod verdient, zumal die versammelten „Franken und Baiern, Langobarden und Sachsen … sich an seine früheren Untaten erinnerten und auch daran, wie er den Herrn König Pippin auf dessen Heereszug verließ und dabei das beging, was in der Volkssprache den harisliz nennt“. Man musste also auf das zurückliegende Verbrechen unerlaubten Entfernung vom aquitanischen Feldzug König Pippins (765) zurückgreifen, um ein Todesurteil fällen zu können. Nur auf diese Weise konnte Karl den im bairischen Stammesrecht verankerten Aspruch der Agilolfinger auf die Herrschaft in Baiern beseitigen und dann
den Baiernherzog und dessen Familie großzügig zu lebenslanger Klosterhaft begnadigen.
Die Ausschaltung der gesamten bairischen Herzogsfamilie war ohne ordentliches Verfahren erfolgt und konnte nicht anders denn als Rechtsbruch wirken. Es ist überliefert, dass „einige Baiern, die in Feindschaft gegen den König Karl verharren wollten“ , verbannt wurden. Der Mönch Tassilo wurde aus dem Kloster nochmals vor eine Reichsversammlung zitiert. Auf der Synode, die im Juni 791 in Frankfurt stattfand, bat er seinen Vetter Karl, ihm wieder die königliche Huld zu gewähren, und verzichtete dafür auf alles, was „ihm, seinen Söhnen
und seinen Töchtern im Herzogtum der Baiern rechtmäßig zustand“. Darüber wurde ein Schriftstück in dreifacher Ausfertigung angelegt.
Die Spuren des einst so mächtigen Herzogs verlieren sich in den Klöstern St. Goar, Jumièges und Lorsch. Wann der letzte Herrscher
Bayerns aus dem Geschlecht der Agilolfinger gestorben ist und wo er sein Grab gefunden hat, berichtet keine Quelle.
Auffallend ist das hohe Prestige, das die Agilolfinger trotz ihrer Abhängigkeit von den Merowingern seit dem ersten Auftreten genießen. Garibald ist als Gefolgsmann des Frankenkönigs nicht nur der Ehe mit einer Königstochter und Königswitwe würdig, sondern wird vom langobardischen Geschichtsschreiber Paulus Diaconus auch selbst als König tituliert. Ähnliches gilt für seine Nachfolger in der Herzogs-
würde bis hin zu Odilo, der die Karolingerin Hiltrud, die Schwester der Hausmeier Pippin und Karlmann, vom fränkischen Hof entführen
und zu seiner Frau machen konnte. Am schwersten aber wiegt die Bestimmung des bairischen Stammesrechtes, dass der Herzog immer
aus dem Geschlecht der Agilolfinger sein sollte. Selbst Karl der Große konnte sich in der Auseinandersetzung mit seinem Vetter
Tassilo III. über diesen Grundsatz nicht einfach hinwegsetzen. Deshalb war es zunächst notwendig, den Baiernherzog zum Tode zu
verurteilen, um ihn dann samt Familie auf Lebenszeit hinter Klostermauern zu verbannen.

(Heinz Dopsch/Hans Geisler, Archäologie und schriftliche Zeugnisse zu den Anfängen des Baiernvolkes, in: Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur, Band 6 )

 

Historischer Bilderbogen

Hier fing alles an: Im Jahre 1950 wurde die damalige Mittelschule in diesem Gebäude eingerichtet,
welches der amerikanischen Besatzungsmacht ab 1945 als Hauptquartier diente.
Daraus wurde in den Fünfzigerjahres das Kreishaus,
in welchem die Mittelschule bis 1955 untergebracht war.

 

Im Jahre 1955 wurde ein Neubau in der damaligen Schulstraße eingeweiht. Daran nahmen u.a. teil:
1. Reihe v.l.: Direktor Glas, Bürgermeister Dr. Knahn, Landrat Dr. Hastreiter, Ministerpräsident Dr. Högner,
Innenminister Geiselhöringer, Landwirtschaftsminister Dr. Baumgartner, Prinzessin und Prinz Konstantin von Bayern;
2. Reihe v.l.: Architekt Righi, Direktor Dr. Karell, Eduard Steinbügl
(Das Foto entstand bei der Einweihung des sog. „Kombinationsbaues“ in Dingolfing am 24. 09. 1955)

 

So sah unsere Herzog-Tassilo-Realschule bis in die neunziger Jahre aus.

 

Hätten Sie den feschen jungen Mann im Vordergrund erkannt? Es ist Jürgen Aisch;
das Foto entstand in den späten sechziger Jahren und zeigt in der Mitte die Direktorin Elisabeth Leicht
und rechts von ihr im dunklen Anzug Rudolf Kriegler.
So streng waren damals die Sitten!

 

Das alte Schulhaus 2. OG

 

Am 1. 12. 1997 ging die Herzog-Tassilo-Realschule online.
Die Volks- und Raiffeisenbank Dingolfing sponserte
der SMV einen Rechner, die Sparkasse Dingolfing-Landau beteiligte
sich an den Kosten für einen Beamer.