Gewaltprävention

Schuljahr 2015/2016

„pack ma`s“ – für eine Schule ohne Gewalt

Münchner Kommissare stellen Lehrern das gleichnamige Präventionsprogramm vor

„Stopp!“, brüllen zweiundzwanzig Lehrerinnen und Lehrer der Realschulen Dingolfing und Landau Mitte Januar in vehementer Abwehrhaltung durch den Musiksaal der Realschule Dingolfing. Selbstbewusst und energisch demonstrieren sie durch ihre Mimik und mit ihrer ganzen Körperhaltung, dass ihre Grenze erreicht ist. Sie wehren sich und setzen ein lautstarkes Zeichen; denn sie nehmen an dem zweitägigen Gewaltpräventionskurs „pack ma`s“ teil und lernen gerade, wie sie einem Angreifer, der ihre persönliche Grenze überschreitet, gegenübertreten sollen. 

Das Thema Zivilcourage ist in der heutigen Zeit in aller Munde. Es heißt, niemand kümmere sich um die Notlage von anderen, es herrsche eine ausgeprägte Wegschaumentalität in unserer Gesellschaft. Dieser Erziehungsaufgabe möchten sich die beiden staatlichen Realschulen im Landkreis Dingolfing-Landau stellen und deshalb lud die Herzog-Tassilo-Realschule Dingolfing zwei Polizeibeamte des Münchner Polizeipräsidiums ein. „Prävention ist der beste Schutz, um Konflikte, Gewalt oder Mobbing zu vermeiden. Hierzu kann mit einfachen Methoden und Übungen viel erreicht werden“, so die beiden Polizisten Ralph Kappelmeier und Nico Witte, die mit dem Institut für Pädagogische Psychologie der LMU München dieses Präventionsprogramm „pack ma´s“ entwickelt haben.                   

Gemeinschaftsspiel-Floßfahrt

Das Gemeinschaftsspiel "Floßfahrt"

In Rollenspielen werden dabei folgende Themenbereiche behandelt: Förderung von Zivilcourage, Stärkung von Gemeinschaft und Vertrauen, Umgang mit Konflikten und Gewalt, Förderung der Empathiefähigkeit sowie Aufzeigen von Handlungsalternativen in Gewaltsituationen. Die Lehrkräfte nahmen an dieser Mutiplikatorenschulung teil, um Gewalthandlungen oder sonstiges unsoziales Verhalten von Kindern und Jugendlichen zu unterbinden sowie zivilcouragiertes Verhalten zu fördern. Dazu schlüpften sie im Verlauf der Fortbildung in zwei Rollen: Einmal erlebten die Realschullehrer die Spiele und Kursprogramme als Teilnehmer aus Schülersicht, dann reflektierten sie als zukünftige Kursleiter die Aktionen in Gruppen.

Vertrauensspiel-Zugbrücke

Die Lehrer beim Vertrauensspiel „Zugbrücke“ mit Nico Witte („pack ma`s“).

Eröffnet wurde die Fortbildungsveranstaltung von der Schulleiterin der Herzog-Tassilo-Realschule Dingolfing und der Bezirksvorsitzenden des BLLV Judith Wenzl. Die Kosten des Seminars übernahmen die Dominik-Brunner-Stiftung sowie der BLLV. Ziel der Realschulen Dingolfing und Landau ist es, die gelernten Angebote des Gewaltpräventionsprogramms mit den Schülern für eine Schule ohne Gewalt umzusetzen, eine wichtige Erziehungsaufgabe des Schuljahres.

 

Schuljahr 2014/2015

No Blame Approach

 

Vor kurzem wurde an der Herzog-Tassilo-Realschule ein „No Blame Approach“ gestartet, der folgende Intentionen verfolgt:

 

–      Stärkung des Selbstwertgefühls der Schüler/innen

–      Entwicklung von Kommunikations- und Konfliktfähigkeit

–      Förderung der sozialen Kompetenzen

–      Schaffung eines positiven Schulklimas

–      Unterstützung des Streitschlichterprogramms

–      Vorbeugung bzw. Verhinderung von Mobbing

 

Prävention statt Intervention

 

Das hat sich die Herzog-Tassilo-Realschule Dingolfing auf die Fahne geschrie­ben. Wir handeln, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Diese Redewendung trifft auf verschiedene Maßnahmen zu, die im Rahmen einer Prävention bei uns an der Schule durchgeführt werden.

 

Das mobile ueTheater Regensburg hat mit seinem Stück „Hier stinkt`s“ bereits ausgezeichnete Rezensionen erhalten. Die Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe verfolgten äußerst aufmerksam die Dar­stellung. Verschiedene Formen der Gewalt wurden von den beiden Schau­spielern sehr eindringlich und detailgetreu vermittelt. So wurde vor Augen geführt, dass jeder zum Mobbingopfer werden kann. Dabei dienen den Tätern absurde bzw. an den Haaren herbeige­zo­gene Anlässe, sei es ein angeblich unangenehmer Geruch, eine fehlende Zahnspange, besonders schöne Stiefel, gute Noten oder einfach bestimmte Eigenheiten einer Person. Diese angeblichen Auslöser sind jedoch nur vordergründig. Psychologisch gesehen steckt oft etwas ganz anderes dahinter. So wurde erkennbar, dass der Täter oder die Täterin häufig einem gewalti­gen Druck ausgesetzt ist. Dies war im dargebotenen Theaterstück ebenfalls der ei­gentliche Grund für das Mobbing: der Erfolgsdruck der Eltern, unter dem die Täterin extrem litt. Mit Sätzen wie „Ich habe mein Mobbing zu Hause“ wurde die tieferliegende Ursache offensichtlich. Jedoch konnte sie sich gegen die über­zogene Erwartungshaltung der Eltern nicht wehren und suchte deswegen ihren Ausweg in der Schule, indem sie einen ihrer Mitschüler unterdrückte und demütigte.

 

Mobbing kann allerdings nicht nur in der Schule auftreten, sondern ist darüber hinaus häufig ein Problem im Berufsleben. Studien zufolge geht jeder fünfte bis sechste Selbstmord darauf zurück, d. h. konkret, dass 2000 bis 3000 Suizide jährlich allein in Deutschland wegen Mobbing passieren. Eine schockierende Zahl, wobei dies nur die Dunkelziffer ist. Die neuen Medien ermöglichen eine verstärk­te Form der Demütigung und Verletzung der Würde des Einzelnen. Ein im Inter­net veröffent­lichtes Foto ist unwiderruflich und verbreitet sich im Netz mit er­staunlicher Ge­schwindigkeit. Die rapide Verbreitung sowie die weitere Nutzung machen dieses Phänomen so gefährlich. Deshalb sollten unsere Schüler/innen aus­drücklich auf die Problematik hingewiesen werden. Denn Mobbing ist in allen gesell­schaft­lichen Bereichen weit verbreitet. Es verursacht psychische und physische Krankheiten bei den Betroffenen und ist in Unternehmen für hohe Kosten durch Fehlzeiten, häufigen Mitarbeiterwechsel und Minderleistungen ver­antwortlich. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm und beläuft sich pro Jahr – nach Schätzungen der Deutschen Anti-Mobbing-Initiative – auf ca. 50 Milliarden Euro, ganz abgesehen von den menschlichen Tragödien, die sich dabei abspielen.

In diesem Sinne sollte die künstlerische Darbietung ein Denkanstoß für alle, Schüler und Lehrer, sein – nicht die Augen zu schließen, sondern wachsam und feinfühlig bestimmte Situationen zu hinterfragen und damit Ansätze von Mob­bing bereits im Keim zu ersticken. Im Anschluss an das Theaterstück erhielten die Schüler/innen die Gelegenheit, Fragen zu stellen und ein Feedback abzugeben. Interessant war für die Heranwachsenden vor allem der Perspektiven­wechsel zwischen Opfer und Täterin. Wer die Motive des anderen kennt, kann sich besser zur Wehr setzen und den anderen hinsichtlich seiner Beweggründe verstehen lernen. Somit hoffen die Veranstalter, mit dem Stück „Hier stinkt’s“ einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Empathiefähigkeit und Multi-Pers­pektivität geleistet zu haben.